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Folge 3175:12 Min.

Im Atelier auf Mallorca: Neoexpressionistische Kunst hautnah

Markus Tollmann zeigt, wie ein neoexpressionistisches Gemälde entsteht: Der Prozess beginnt mit einer Zeichnung, gefolgt vom Farbaufbau. Große Formate verlangen Körpereinsatz und Entscheidungen im Stehen. Das mediterrane Licht beeinflusst die Farbpalette. Atelierbesuche sind nach Termin möglich. Tollmann arbeitet zwischen Mallorca und Liechtenstein, seine Werke sind geprägt von intensiver Vorbereitung und familiärer Kunsttradition.

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Kapitel

Transkript

Zwei Stimmen aus dem Archiv des Online Media Network.

Schon mal vor einem Bild gestanden und gedacht: Das sieht aus, als wär’s in zwanzig Minuten entstanden? Gerade bei neoexpressionistischen Werken kann der Eindruck täuschen, und genau das fasziniert mich heute.

Du sprichst mir aus der Seele! Ich bin Markus Tollmann, Maler und Bildhauer, und heute nehme ich dich mit nach Mallorca, direkt in mein Atelier. Denn hinter jedem scheinbar spontanen Bild steckt viel mehr Handwerk, als man zunächst vermutet.

Was euch heute erwartet: Wir schauen gemeinsam, wie aus einer Idee ein großformatiges Werk wird. Wir sprechen über die Kraft der Linie, warum das Licht der Insel meine Farbwahl beeinflusst und wie ihr erkennt, ob ein Bild wirklich durchgearbeitet ist.

Und natürlich gibt’s Einblicke ins Atelierleben auf Mallorca, Anekdoten aus meiner Familie, und am Ende Tipps, wie ein Atelierbesuch zum echten Erlebnis wird. Bereit für etwas Farbe und ehrliches Handwerk? Los geht’s!

Wenn ich an Malerei denke, stelle ich mir immer den Moment vor, in dem die Farbe auf die Leinwand trifft. Aber bei dir geht es zuerst ums Zeichnen, oder?

Ganz genau. Am Anfang steht fast immer eine große Kohle- oder Kreidezeichnung. Die legt fest, wo das Gesicht sitzt, wie der Blick läuft, und ich verwerfe sie oft mehrmals, bis sie richtig sitzt.

Das klingt nach viel Ausprobieren und Wegwerfen. Ist das nicht manchmal frustrierend?

Es ist eher befreiend. Die Linie ist der Bauplan. Erst wenn die stimmt, darf die Wange auch mal türkis und der Schatten pink sein. Ohne die richtige Konstruktion kann keine noch so satte Farbe das Bild retten.

Du malst oft in richtig großen Formaten, was bedeutet das denn für deine Arbeit?

Das verändert alles! Bei großen Leinwänden führt der ganze Arm, nicht das Handgelenk. Ein Strich lässt sich nicht heimlich ausbessern, jede Korrektur sieht man. Darum arbeite ich viel im Stehen und mit Abstand, und manchmal lasse ich Entscheidungen einfach über Nacht reifen.

Das stelle ich mir körperlich auch anspruchsvoll vor. Und: Wenn jemand ein Bild für einen bestimmten Raum möchte, wie klappt das?

Da ist frühe Abstimmung wichtig: Format, Farben und die späteren Maße sollten vorab klar sein. Nachträglich ist das kaum noch zu ändern, die Entscheidung für ein Format ist immer auch eine Entscheidung für das Werk selbst.

Ich habe gelesen, dass das Licht auf Mallorca ganz anders ist als in Deutschland. Wie merkt man das als Künstler konkret?

Das Licht ist viel härter, fast schon gnadenlos. Feine Abstufungen verschwinden, während kräftige Flächen strahlen. Bilder, die im Atelier in Bremen harmonisch wirken, sehen hier plötzlich fade aus, umgekehrt funktionieren die mallorquinischen Farben auch an dunklen Wänden im Norden.

Das heißt: Wer ein Bild für sein Haus auf Mallorca sucht, sollte es im Tageslicht sehen, stimmt’s?

Absolut! Am besten vor Ort, nicht nur auf dem Bildschirm. Das Licht entscheidet wirklich mit, wie das Bild lebt.

Was ich besonders spannend finde: Deine Familie ist ja richtig kunstgeprägt. Wie viel von dieser Herkunft steckt in deinen Werken?

Man sieht es den Bildern nicht direkt an, aber es prägt die Haltung. Als Kind im Haus meines Vaters habe ich Künstler wie Yves Klein und Joseph Beuys kennengelernt. Beuys hat mir ab 1978 sogar Zeichenunterricht gegeben. Das prägt: Ich male mit Ruhe und Risikobereitschaft, weil ich früh gelernt habe, Kunst ist Handlung, kein Dekor.

Das klingt nach einer besonderen Schule. Und wahrscheinlich nach einer Menge Geschichten, die sich im Atelier wiederfinden.

Definitiv! Diese Erfahrungen geben dem Bild oft eine gelassene Tiefe. Selbst wenn es wild aussieht, steckt viel Sicherheit und Erfahrung dahinter.

Jetzt mal ehrlich: Wie sieht man, ob ein Bild wirklich ausgearbeitet ist oder nur schnell fertiggestellt wurde?

Es gibt drei gute Indikatoren: Erstens, ob die Farbe auch über den Rand des Keilrahmens läuft oder dort abbricht. Zweitens, wie die dunklen Partien gemischt wurden, echtes Schwarz ist selten, meist sind es Mischungen aus vielen Farbtönen. Und drittens, wo die Signatur sitzt: Im Bild selbst oder irgendwie daneben geklebt.

Das sind ja Details, auf die man als Laie kaum achtet. Wenn man sie einmal gesehen hat, erkennt man sie aber sofort wieder, oder?

Genau! Nach dem ersten bewussten Blick auf diese drei Stellen sieht man auf jeder Messe sofort, wo wirklich lange gearbeitet wurde und wo nicht.

Das waren spannende Einblicke! Was sollten unsere Hörer aus dieser Folge unbedingt mitnehmen?

Erstens: Ein neoexpressionistisches Bild lebt von der Linie und Planung, nicht von spontaner Farbe. Zweitens, das Licht am Entstehungsort verändert alles, gerade auf Mallorca. Drittens, echte Handarbeit erkennt man an Details wie Kanten und Signatur.

Und wer jetzt neugierig geworden ist: Vereinbart einfach einen Atelierbesuch, bringt ein Foto von der Wand mit und überlegt euch ehrlich, was das Bild bei euch bewirken soll. Der Rest ergibt sich im Gespräch.

Danke fürs Zuhören, und denkt dran: Am Ende erkennt das geübte Auge immer, wo Bild und Künstler Zeit miteinander verbracht haben. Bis zum nächsten Mal im Atelier!

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